Ich habe gestern den guten, wenn auch nicht großartigen Film The Dark Knight im Kino gesehen und ich wundere mich einmal mehr über die Synchronizitäten dieses Universums. Denn so kurz vor der Veröffentlichung von Ken Wilbers Roman ‚Boomeritis’ am 15.9. hat jene kulturelle Pathologie des grünen, pluralistischen Mems ihr sichtbares Antlitz endlich offenbart, und zwar in Heath Ledgers Darstellung des Joker.
Wie gesagt, es ist kein großartiger Film – sogar einer, bei dem, folgt man der Logik des Films, der Held verliert – dafür aber einer, der ein starkes Stück Zeitgeschichte darstellt. Meine Frau fand den Film auch nicht so gut, aber „wichtig“, weil er uns was über unsere Kultur sagt. Denn wie die Boomeritis alles infiziert, jedwede Moral untergräbt und alles dekonstruiert, was ihm in den Weg kommt, so bleibt doch der wahre Sieger im Films der Joker, der alles untergräbt, der alles zerstört und mit lachender Fratze die Welt aus den Angeln hebt.
Denn der Joker hat keine Moral … noch nicht mal eine Ganovenmoral. Er strebt nicht nach Geld oder Macht, er ist frei von solchen Ambitionen. Er ist vielmehr ein Agent des Chaos, der den Relativismus auf die Spitze getrieben hat und für das Chaos genauso viele Gründe anführen kann wie für die Moral. Denn es ist alles relativ. Was hier moralisch geboten ist, ist in anderen Ländern schon längst nicht geboten. Und man muss den Leuten nur ‘einen kleinen Schubs’ geben, um sie von der Notwendigkeit, Regeln zu haben und Pläne zu machen, vollkommen abzubringen. (Denn, wie grüne Boomeritis argumentiert, Regeln sind ‘hierarchisch, also ‘böse’.)
Doch dabei bleibt es nicht. Denn wie die Boomeritis ist auch der Joker angetrieben durch den Narzissmus des roten Mems, und durch diese Mischung, grüner Relativismus mit roter, narzisstischer Aggression, zerstört er alles, was ihm in den Weg kommt. Sogar (und vor allem!) die Moral des/der eigentlichen Filmhelden.
Das tragische an all dem ist – oder das genialische – dass es Ledger und Regisseur Nolan geschafft haben, jene Krankheit, die Wilber in seinem Roman beschreibt und die wir täglich im Alltag erfahren, so auf Zelluloid gebannt zu haben. Wie häufig habe ich im Alltag diese Verhaltensweise – aggressivst den Relativismus zu kolportieren und alle abzustrafen, die eine andere Meinung haben – schon beobachten können? Man diskutiere einmal mit einem Grün-Memer, der stets auf Freundlichkeit gepolt ist, über Stierkampf oder die Funktion des Krieges! Man spreche mit einem Grün-Memer über die Funktion von Hierarchien: Was dann ans Tageslicht kommt, ist Boomeritis, ist der Joker, in all seiner Hässlichkeit, in all seiner roten Wut, und alle Freundlichkeit, alle Moral ist plötzlich vergessen. Was dann nur noch beim Grün-Memer zählt ist, das ‘meine Meinung wichtiger/besser ist als deine … und wenn du mir nicht zupass bist und immer noch für Regeln und Hierarchien einstehst, mache ich dich fertig.’ Die paradoxe Haltung dessen ist offensichtlich.
Und ich finde es bemerkenswert, wie genialisch dieses Bild in der Maske umgesetzt wurde: Eine eigentlich freundlich grüne Clownsmaske, verunstaltet durch die grausamen Schnitte des roten Mems.

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